Klimsch Praktika Reprokamera

Reprokameras benutzte man bis Mitte der 80er Jahre zur Erstellung von Druckfilmen. Von den Druckfilmen ausgehend, wurden im Anschluss die Druckplatten geätzt, die auf einen Druckzylinder aufgespannt, den Offset- und Tiefdruck erzeugten. Der Einzug der Digitalisierung in die Reprotechnik bedeutete das Aus für die Reprokameras. Sie wurden durch Scanner und Digitalkameras ersetzt. Diese für die Unikat Portraitfotografie verwendete Klimsch Praktika ist eine der letzten noch in Gebrauch befindlichen Reprokameras – alle anderen stehen im Museum.

2006 entdeckte der Grafiker und Fotograf Josef Dreisörner die Klimsch Reprokamera bei der Druckerei Hartmann in Mönchengladbach. Seine Begeisterung über die Existenz und vor allen Dingen die Funktionstüchtigkeit war groß. Da die Druckerei mit ihrem digitalen Workflow schon lange keine Verwendung mehr für die Klimsch Praktika hatte, schenkte ihm der Geschäftsführer Michael Hartmann die Kamera. In Einzelteile zerlegt und nach zehn Jahren Einlagerung wurde die Kamera 2016 mit sehr viel Aufwand und Mühen reaktiviert.

Die Kamera wurde mit ihrer ca. 400 kg schweren und 4,2 m langen, sog. Optischen Bank (Stahlschiene), nach München transportiert. Die Einzelteile wurden gereinigt. Der schadhafte Faltbalgen musste mit einem neuen lichtdichten Stoff überzogen, der Filmhalter erneuert, ein Spezial-Auslöser angefertigt werden. Aus Italien wurde bei einem Antik-Fotohändler ein Objektiv mit passender Brennweite gekauft, für die Beleuchtung eine Spezial-Blitzanlage angefertigt. Und zu guter letzt wurden die Einzelteile, ohne Bauplan im Trial and Error Verfahren zusammengebaut. Um die Kamera bewegen zu können wurde sie dann noch auf Konzertflügel-Transportrollen gestellt.

Bei der Portraitfotografie ist es notwendig die zu fotografierende Person ständig durch den Sucher zu sehen, um mit ihr zu kommunizieren. Man muss auch in der Lage sein die Kameraperspektive schnell zu wechseln. Eine Reprokamera ist wegen ihrer Bauweise, Größe, Gewicht, Unhandlichkeit und des fehlenden Suchers deshalb nicht für die Portraitfotografie geeignet. Aber genau darin liegt die Kunst, der Reiz und die Herausforderung.

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Technische Daten

– Hersteller: Klimsch + Co. Frankfurt (Main)

– Baujahr 1957

– Reproduktionsapparat Klimsch Praktika

 – Einraumkamera, Kassettentyp in Metallausführung

– Kameranutzformat: 60×60 cm

– Objektiv: Klimsch Apo-Ronar f=600 mm

– Höhe: 2,5 m

– Länge: 4,2 m

– Breite: 1,4 m

– Gesamtgewicht: 650 kg